Bauweise Portugal
Betonskelett, zweischalige Hohlziegelwand, Putz drüber. Das Tragwerk steht in der Fassadenebene und ist ungedämmt - deshalb steht im Winter die Feuchte dort, wo der Beton ist.
Waagrecht ist die Wanddicke, und die ist maßstäblich - die Maßkette unter jedem Schnitt nennt jede Schicht in Millimetern. Senkrecht ist nur ein Ausschnitt der Wandlänge, dort wird nichts gemessen. Die Dicken sind der Regelfall, nicht das Gesetz: am konkreten Objekt zählt, was in der Baubeschreibung steht. Die Zahlen in Korall sind die Stellen, an denen es erfahrungsgemäß schiefgeht.
Zwei Schnitte, weil es im Skelettbau zwei Wände gibt, die gleich aussehen und sich völlig unterschiedlich verhalten. Links die Regel: Ausfachung zwischen den Stützen. Rechts dieselbe Wand dort, wo eine Stütze oder ein Ringbalken steht. Die Wandstärke ändert sich dabei nicht - Putz und Dämmung laufen durch, nur in der tragenden Ebene steht Beton statt Ziegel. Genau deshalb sieht man den Unterschied an der fertigen Fassade nicht, und genau deshalb liegen die Schäden fast immer auf dieser Linie.
Regelaufbau nach Fachliteratur. Parede dupla 15+11 mit Luftschicht als vorherrschende Fassadenlösung: Universidade do Minho, Bericht Teil III; Stützenmindestmaß 250 mm nach Eurocode 8. Bauweise-Familie: Stahlbetonskelett mit Ziegelausfachung, mediterran.
Die zweischalige Wand funktioniert nur, wenn die Luftschicht frei bleibt und unten entwässert. In der Praxis fällt Mörtel hinein und bildet Brücken, die Wasser nach innen leiten. Schlagregen von Westen kommt so durch eine Wand, die auf dem Papier zwei Schalen hat.
An der Küste bringt der Wind Salz in den Beton. Die Bewehrung rostet, das Rostvolumen sprengt die Deckschicht - zuerst an Balkonplatten und Brüstungen.
Stützen und Ringbalken aus Stahlbeton stehen in der Fassadenebene und werden nur überputzt oder mit einer dünnen Ziegelschale verdeckt. Beton leitet Wärme um ein Vielfaches besser als der Hohlziegel daneben. Im Winter fällt die Oberflächentemperatur dort unter den Taupunkt der Raumluft, und genau an dieser Linie setzt sich Feuchte ab.
Die Ausfachung wird nach dem Tragwerk gemauert und stößt an die Stütze. Trocknet der Mörtel, reißt die Fuge auf. Durch diesen Riss kommen Schlagregen und Zugluft, und er liegt genau dort, wo später der Putz reißt.
Viele Häuser haben keine durchgehende Heizung, weil das Land als warm gilt. Zwischen Dezember und März liegt die Innentemperatur dann tagelang bei 14 bis 16 Grad bei hoher Luftfeuchte. Das ist weniger ein Komfortthema als ein Bauschaden mit Ansage.
Was hier steht, gilt für die Bauweise, nicht für ein bestimmtes Haus. Ob dein Objekt diese Schwächen hat, zeigen Fotos, Pläne und die Baubeschreibung. Die Rechtslage in Portugal - Eigentum, Register, Anzahlung - steht im Länderkompass Portugal.