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Bauweise Portugal

So wird in Portugal gebaut

Betonskelett, zweischalige Hohlziegelwand, Putz drüber. Das Tragwerk steht in der Fassadenebene und ist ungedämmt - deshalb steht im Winter die Feuchte dort, wo der Beton ist.

Tragwerk
Stahlbetonskelett
Wand
Hohlziegel 15 + 11, zweischalig
Dach
Flachdach oder Kanalziegel
Klimafall
mild und feucht, Küste salzig

Der Wandaufbau im Schnitt

Waagrecht ist die Wanddicke, und die ist maßstäblich - die Maßkette unter jedem Schnitt nennt jede Schicht in Millimetern. Senkrecht ist nur ein Ausschnitt der Wandlänge, dort wird nichts gemessen. Die Dicken sind der Regelfall, nicht das Gesetz: am konkreten Objekt zählt, was in der Baubeschreibung steht. Die Zahlen in Korall sind die Stellen, an denen es erfahrungsgemäß schiefgeht.

Zwei Schnitte, weil es im Skelettbau zwei Wände gibt, die gleich aussehen und sich völlig unterschiedlich verhalten. Links die Regel: Ausfachung zwischen den Stützen. Rechts dieselbe Wand dort, wo eine Stütze oder ein Ringbalken steht. Die Wandstärke ändert sich dabei nicht - Putz und Dämmung laufen durch, nur in der tragenden Ebene steht Beton statt Ziegel. Genau deshalb sieht man den Unterschied an der fertigen Fassade nicht, und genau deshalb liegen die Schäden fast immer auf dieser Linie.

RegelquerschnittAUSSENINNEN12345151504011015330 mmIm Stützenbereich (Stütze 250 mm breit)AUSSENINNEN6789157025015350 mm134AM BAUWERK2Balkonplatten5Das Haus ohne Heizung
Regelquerschnitt
  1. 1Zementputz 15 mm
  2. 2Hohlziegel 150 mm
  3. 3Luftschicht 40 mm
  4. 4Hohlziegel 110 mm
  5. 5Gipsputz 15 mm
gesamt 330 mm
Im Stützenbereich
  1. 6Zementputz 15 mm
  2. 7Hohlziegel, Vorsatzschale 70 mm
  3. 8Stahlbeton, steht innen vor 250 mm
  4. 9Gipsputz 15 mm
gesamt 350 mm

Regelaufbau nach Fachliteratur. Parede dupla 15+11 mit Luftschicht als vorherrschende Fassadenlösung: Universidade do Minho, Bericht Teil III; Stützenmindestmaß 250 mm nach Eurocode 8. Bauweise-Familie: Stahlbetonskelett mit Ziegelausfachung, mediterran.

Wo es schiefgeht

1

Die Luftschicht, die keine ist

Die zweischalige Wand funktioniert nur, wenn die Luftschicht frei bleibt und unten entwässert. In der Praxis fällt Mörtel hinein und bildet Brücken, die Wasser nach innen leiten. Schlagregen von Westen kommt so durch eine Wand, die auf dem Papier zwei Schalen hat.

Woran man es sieht. Durchfeuchtung innen nach längerem Westwind, oft in Brüstungshöhe.
2

Balkonplatten, die von innen rosten

An der Küste bringt der Wind Salz in den Beton. Die Bewehrung rostet, das Rostvolumen sprengt die Deckschicht - zuerst an Balkonplatten und Brüstungen.

Woran man es sieht. Abplatzungen an Plattenkanten mit sichtbarem Stahl, Rostfahnen an der Untersicht.
3

Die Stütze, die durch die Wand geht

Stützen und Ringbalken aus Stahlbeton stehen in der Fassadenebene und werden nur überputzt oder mit einer dünnen Ziegelschale verdeckt. Beton leitet Wärme um ein Vielfaches besser als der Hohlziegel daneben. Im Winter fällt die Oberflächentemperatur dort unter den Taupunkt der Raumluft, und genau an dieser Linie setzt sich Feuchte ab.

Woran man es sieht. Ein gerader Schimmelstreifen an der Innenwand, der dem Raster des Tragwerks folgt - nicht fleckig, sondern eine Linie. Im Wärmebild ein Gitter warmer Linien.
4

Die Fuge zwischen Ausfachung und Stütze

Die Ausfachung wird nach dem Tragwerk gemauert und stößt an die Stütze. Trocknet der Mörtel, reißt die Fuge auf. Durch diesen Riss kommen Schlagregen und Zugluft, und er liegt genau dort, wo später der Putz reißt.

Woran man es sieht. Feiner senkrechter Putzriss neben jeder Stütze, außen und innen. Bei Wind Zug an der Stützenkante.
5

Das Haus ohne Heizung

Viele Häuser haben keine durchgehende Heizung, weil das Land als warm gilt. Zwischen Dezember und März liegt die Innentemperatur dann tagelang bei 14 bis 16 Grad bei hoher Luftfeuchte. Das ist weniger ein Komfortthema als ein Bauschaden mit Ansage.

Woran man es sieht. Schimmel in Raumecken und hinter Möbeln an Außenwänden, muffiger Geruch in Schränken.

Von der Baustelle

Estrich direkt auf die Rohdecke, ohne Trennlage und ohne Randstreifen. Risse entlang der Wände sind dann keine Setzung, sondern Zwang.
Geputzt wird oft auf frisches Mauerwerk, ohne Trocknungszeit. Die Feuchte sitzt dann im Aufbau und kommt im ersten Winter als Fleck zurück.
Fensteranschlüsse werden häufig nur ausgeschäumt. Schaum ist kein Dichtstoff - er hält weder Schlagregen noch Luft.

Das ist die Regel. Dein Objekt ist der Einzelfall.

Was hier steht, gilt für die Bauweise, nicht für ein bestimmtes Haus. Ob dein Objekt diese Schwächen hat, zeigen Fotos, Pläne und die Baubeschreibung. Die Rechtslage in Portugal - Eigentum, Register, Anzahlung - steht im Länderkompass Portugal.

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